Wirtschaftsstandort Wien

Status quo und Herausforderungen

 

Konjunkturabflachung und Wirtschaftseinbruch durch COVID-19 Pandemie

Wien zählte über Jahr zu den erfolgreichsten Wirtschaftsregionen Europas. Im vierten Bericht zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Wiens (WIFO, 2015) nahm Wien Platz 13 unter 52 sogenannten erstrangigen Metropolregionen ein. Die Gründe dafür lagen u.a. in einem relativ raschen Strukturwandel weg von der Sachgüterindustrie hin zu einem Ausbau der technologie- und wissensintensiven Branchen. Begleitet wurde diese Entwicklung von einer steigenden Nachfrage nach hohen Qualifikationen. Nach einer langsamen Erholung nach der Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 setzte im Jahr 2017 ein kräftiges Wirtschaftswachstum ein, das sich im Jahr 2019 wieder abflachte. Im Frühjahr 2020 brachte die COVID-19 Pandemie mit den drastischen Maßnahmen einen markanten Wirtschaftseinbruch mit schwerwiegenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit und Rückgang der Beschäftigung

Mitte März 2020 wurde ein weitreichender lockdown des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in Österreich verordnet, der österreichweit und in Wien gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte. Das WIFO hat für die Stadt Wien analysiert, wie sich die Corona-Krise auf die Wiener Wirtschaft auswirkt. Besonders berücksichtigt wurde der im Vergleich zum restlichen Österreich starke Dienstleistungssektor Wiens. Mehr als 2 Drittel der Wiener Erwerbstätigen sind von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen.

In den folgenden Branchen stieg 2020 die Arbeitslosigkeit (inkl. Schulungen) besonders stark:

  • Beherbergung und Gastronomie
  • Verkehr und Lagerei
  • Sonstige Dienstleistungen
  • Kunst, Unterhaltung

Für das Jahr 2020 rechnet das WIFO mit einem Rückgang der Bruttowertschöpfung in Wien von – 5,6 % (Österreich gesamt – 6,4 %). Es gab 2020 in Wien um 21.180 weniger unselbständige Beschäftigungsverhältnisse, ein Rückgang um 2,5 % auf insgesamt 842.937 Beschäftigungsverhältnisse. 149.700 Personen waren arbeitslos, das sind 34.832 Personen bzw. 30,3 % mehr als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote lag 2020 bei 15,1 %. Dadurch verstärkten sich bestehende Risiken auf dem Wiener Arbeitsmarkt. Insbesondere Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Jugendliche und Ältere sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit bzw. einer Verfestigung von Arbeitslosigkeit überproportional betroffen.

Für 2021 wird ein Zuwachs der Bruttowertschöpfung in Wien von 3,6 % prognostiziert. In diesem Scenario wird ein Anstieg der Beschäftigung in Wien um 2,0 % und ein Rückgang der Arbeitslosenquote von 15,1 % auf 13,3 % prognostiziert.

Die Krise für Qualifizierung nutzen

Die Zielsetzung des Qualifikationsplans Wien 2030 ist, WienerInnen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei der Höherqualifizierung zu unterstützen und dequalifiziert Beschäftigten bessere Berufschancen zu eröffnen Vor der Corona-Krise ging man davon aus, dass in Wien die Beschäftigung weiter wachsen wird, und zwar vor allem in Bereichen, die zumindest eine mittlere oder höhere Qualifikation erfordern. Unter den geänderten Rahmenbedingungen der COVID-Krise hat die Qualifizierung und berufliche Weiterbildung nach wie vor einen zentralen Stellenwert, denn in den Spitzenfeldern der Wiener Wirtschaft, die der Krise standhalten können, sind auch weiterhin Fachkräfte gefragt. Die Stadt Wien stellte krisenbedingt umgehend Sondermittel zur Verfügung, mit denen folgende Schwerpunkte gesetzt wurden:

  • der Ausbau der Überbetrieblichen Lehrausbildung in Wien, um die berufliche Erstausbildung des Schulentlassjahrgangs 2020 sicher zu stellen
  • die Qualifizierung von arbeitslosen Jugendlichen für Zukunftsberufe
  • die Nutzung von Kurzarbeit für berufliche Weiterbildung
  • der Ausbau von Arbeitsstiftungen für MitarbeiterInnen die von Insolvenzen betroffen sind