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Der Wiener Arbeitsmarkt: Schwerpunkte 2011

2010: steigende Beschäftigung – leichter Anstieg bei Arbeitslosigkeit

Vizebürgermeisterin Renate Brauner und waff Geschäftsführer Fritz Meissl

Vizebürgermeisterin Renate Brauner, waff-Geschäftsführer Fritz Meißl


Das Jahr 2010 stand am Wiener Arbeitsmarkt nach wie vor im Zeichen der
größten Wirtschaftskrise nach 1945. Die Auswirkungen am Wiener
Arbeitsmarkt waren deutlich spürbar. Dennoch entwickelte sich Wien im
Bundesländervergleich stabil. Dies wird deutlich, vergleicht man den Wiener
Arbeitsmarkt 2010 mit der Zeit vor der Krise: Während die Arbeitslosigkeit in
Wien seit Beginn der Krise im Jahr 2008 um 11,6 Prozent gewachsen ist,
betrug die Steigerung in Gesamtösterreich 18,2 Prozent und im
Industriebundesland Oberösterreich bereits 36,7 Prozent.

Die Zahl der Beschäftigten ist in Wien gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent
gestiegen, somit gibt es heuer 4.738 Beschäftigte mehr. 2010 waren in Wien
787.053 Personen in Standardbeschäftigung. Ähnlich waren die Steigerungsraten in ganz Österreich: Die Beschäftigung wuchs österreichweit um 0,7 Prozent. Besonders erfreulich ist die deutliche Steigerung der Beschäftigung im zweiten Halbjahr: So gab es im Dezember 2010 mit 780.606 Beschäftigten in Wien einen absoluten Monatshöchststand und einen sehr deutlichen Zuwachs um 1,7 Prozent oder 13.377 Beschäftigte.

Die Arbeitslosigkeit wuchs 2010 in Wien um moderate 1,5 Prozent. Im
Jahresschnitt waren 74.179 WienerInnen ohne Arbeit. Damit liegt die
Arbeitslosigkeit in Wien deutlich unter den Werten der Jahre 2002 bis 2006.
2010 liegt die Arbeitslosenquote der Frauen mit 7,1 Prozent nach wie vor unter
jener der Männer von zehn Prozent. Während die Arbeitslosigkeit der Männer
jedoch mittlerweile zurückgeht, steigt der Anteil arbeitsuchender Frauen an
(2010 um 4,6 Prozent). Dies ist vor allem auf das größere Arbeitskräftepotenzial
von Frauen zurückzuführen, die aus erwerbsfernen Positionen
(z.B. aus der Karenz) auf den Arbeitsmarkt zurückkehren.

Die Arbeitslosigkeit der jugendlichen 15 bis 24-Jährigen ist im Jahr 2010 um
0,8 Prozent gesunken. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen lag der
Rückgang bei 3,1 Prozent. Mit Minus 5,3 Prozent sank die Zahl der
Lehrstellensuchenden in Wien auch im Jahr 2010.

„Der Erfolg der Wiener Ausbildungsgarantie schlägt sich direkt auf die
Arbeitsmarktdaten der Jugendlichen nieder. Wir haben während einer
schweren Wirtschaftskrise einen Rückgang in der Jugendarbeitslosigkeit
erreicht! Hier macht sich jeder eingesetzte Euro doppelt bezahlt“,
unterstreicht Vbgmin. Renate Brauner.

Moderates Wirtschaftswachstum bis 2014
Von 2010 bis 2014 wird die österreichische Wirtschaft laut Prognose des
Forschungsinstituts Synthesis moderat wachsen. Für 2010 wird ein Plus von
2,5 Prozent, für 2011 von 2,1 Prozent prognostiziert. Die verbesserte
Wirtschaftslage trägt wesentlich dazu bei, dass Unternehmen vermehrt
Personal anstellen. So werden bis 2014 in Österreich fast 173.000 neue
Arbeitsplätze entstehen, 34.000 davon in Wien. Vom Beschäftigungszuwachs
profitieren in erster Linie Frauen, da ein Großteil der Jobs im Sozial- und
Gesundheitswesen sowie im Bereich wirtschaftsnaher Dienstleistungen (wie
z.B. in der Steuerberatung, Marketingbereich, etc.) entstehen wird.
Die Krise ist auch bei verbesserter Konjunkturlage nicht überstanden.
Aufgrund des wachsenden Arbeitskräfteangebots wird die Arbeitslosigkeit in
ganz Österreich nicht wesentlich zurückgehen. Das Forschungsinstitut
Synthesis errechnete, dass die Arbeitslosenquote in Wien erst im Jahr 2014
um 0,4 Prozent geringer sein wird als im Jahr 2009.

waff 2011: zentrales Element der Wiener Arbeitsmarktpolitik

Mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) steht der Stadt
Wien ein in Österreich einzigartiges Instrument der kommunalen
Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung. Seit seinem Bestehen konnte der waff
bereits 300.000 WienerInnen bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen.

„2011 werden insgesamt 66,7 Mio. Euro für arbeitsmarktpolitische Aktivitäten
und Unterstützung von ArbeitnehmerInnen durch den waff eingesetzt,
darunter rund 8,4 Mio. Euro aus Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Insgesamt unterstützt der waff mehr als 36.000 WienerInnen (58 Prozent
Frauen)“, nennt Vizebürgermeisterin Renate Brauner die wesentlichen
Kennzahlen des waff Arbeitsprogramms. Darüber hinaus können auch Wiener
Unternehmen von den Förderungen und Dienstleistungen des waff profitieren.

„Ich freue mich, dass das Arbeitsprogramm des waff für 2011 einstimmig im
Kuratorium beschlossen wurde. Gerade in der Arbeitsmarktpolitik ist eine
konsensuale Vorgehensweise ein entscheidender Erfolgsfaktor. Für den waff
hat deshalb die Abstimmung mit allen wichtigen Verantwortungsträgern
größte Bedeutung: mit dem AMS bei Maßnahmen für Arbeitslose, mit der
Wirtschaftsagentur Wien, wenn es um die Unterstützung von Unternehmen
geht, mit den Sozialpartnern bei der Einrichtung von Arbeitsstiftungen und
weiteren wichtigen Initiativen“, unterstreicht waff-Geschäftsführer Fritz Meißl.

Die zahlreichen arbeitsmarktpolitischen Initiativen der Stadt Wien und des waff
sind vielfältig und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt.

Für 2011 sind hier wesentliche Schwerpunkte

  • die Unterstützung von 7.000 Jugendlichen beim Berufseinstieg durch die Wiener Ausbildungsgarantie
  • die einzigartige Beratung und Förderung von rund 16.900 Beschäftigten im waff Beratungszentrum und
  • die Qualifizierung von 1.000 arbeitsuchenden WienerInnen im Gesundheits- und Pflegebereich

 

I. Aufschwungjahr 2011: Wiener Ausbildungsgarantie bleibt


Der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2010 ist vor
allem auf den Erfolg der Wiener Ausbildungsgarantie zurück zu führen, die auf
Initiative von Vizebürgermeisterin Renate Brauner umgesetzt wurde. Das
bedeutet: Jede/r Jugendliche erhält die Möglichkeit einer Lehrausbildung,
einer sonstigen Qualifizierung oder weitere spezielle Unterstützung beim
Berufseinstieg. Die Wiener Ausbildungsgarantie baut den jungen WienerInnen
eine Brücke ins Berufsleben. Ziel ist es, allen Wiener Jugendlichen eine über
die Pflichtschule hinausreichende Ausbildung zu ermöglichen. Insgesamt
werden im Zuge der Wiener Ausbildungsgarantie von der Stadt Wien, dem
Arbeitsmarktservice Wien und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) über 100
Millionen Euro eingesetzt.

Die Wiener Ausbildungsgarantie umfasst neben der schulischen Ausbildung
und der betrieblichen Lehrausbildung insbesondere

  • die Ausbildung in den vom Arbeitsmarktservice und der Stadt Wien finanzierten Lehrwerkstätten,
  • Begleitung am Übergang von der Schule in den Beruf,
  • Förderung beim Nachholen von versäumten Bildungsabschlüssen.

Alle Infos zur Wiener Ausbildungsgarantie erhalten Jugendliche und ihre Eltern
und Verwandten bei der Kümmer-Nummer für Lehre und Beruf unter der
Telefonnummer 0800 20 20 22. Diese hilft bei allen Fragen rund um
Ausbildung, Lehre und Beruf.

20 Prozent weniger Lehrstellensuchende
Die Erfolge im Bereich der Jugendarbeitsmarktpolitik lassen sich auch in
Zahlen messen: Die Zahl der Lehrstellensuchenden konnte in Wien trotz
Wirtschaftskrise durch Einführung der Wiener Ausbildungsgarantie deutlich
reduziert werden. 2010 waren um 20 Prozent weniger Jugendliche
lehrstellensuchend als 2008. Im Zwei-Jahres-Vergleich war Wien damit das
Bundesland mit dem deutlichsten Rückgang. In Wien gibt es keine betriebliche
oder überbetriebliche Lehrstelle, die nicht aus Mitteln der öffentlichen Hand
gefördert wird.

4.500 überbetriebliche Lehrplätze -
Vermittlung auf betriebliche Lehrplätze wird verstärkt

Jugendliche, die keine betriebliche Lehrstelle finden, können ihre gesamte
Lehrausbildung in den vom AMS und der Stadt Wien finanzierten
Lehrwerkstätten absolvieren. Aktuell werden dort rund 4.500 Jugendliche in
30 Lehrberufen ausgebildet. Die Ausbildungsträger bieten mit der
überbetrieblichen Lehrausbildung, der integrativen Berufsausbildung oder
Teilqualifizierungen ein differenziertes Angebot - auch für Jugendliche mit
besonderem Unterstützungsbedarf. Im Februar 2011 beginnen 600 Jugendliche
neu mit ihrer Ausbildung.

Eine wichtige Strategie im neuen Ausbildungsjahr ist, Jugendliche beim
Wechsel auf eine betriebliche Lehre gezielt zu unterstützen.
BetriebskontakterInnen schließen Lehrstellen in Unternehmen auf und agieren
als Türöffner für die Lehrlinge. Derzeit wird ein Viertel der Jugendlichen im
ersten Lehrjahr auf betriebliche Lehrstellen vermittelt, dieser Wert soll 2011
weiter ansteigen.

Brücke beim Übergang Schule-Beruf
Jugendliche ohne konkrete Ausbildungsperspektive bekommen gezielte
Beratung und Unterstützung, bevor sie in eine Ausbildung bzw. einen Job
begleitet werden. Gemeinsam mit den BeraterInnen werden persönliche
Problemlagen geklärt und anschließend berufliche Perspektiven erschlossen.
Niederschwellige Beschäftigungsprojekte bieten zudem jenen Jugendlichen,
die Schwierigkeiten mit geregelter Ausbildung oder Lehre haben, Hilfe und
Begleitung.

Unterstützung beim Nachholen von Bildungsabschlüssen
Das Nachholen von versäumten Bildungsabschlüssen ist eine wichtige
Voraussetzung, um die Berufschancen junger Menschen zu erhöhen. Deshalb
wird diese Möglichkeit in Wien besonders gefördert, z.B. über das waff-
Projekt „Meine Chance“.

II. waff Beratungszentrum: Mehr Geld für Frauenprogramme

Gerade in einer wirtschaftlichen Krisensituation fragen sich viele
ArbeitnehmerInnen, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist, wie sie mit neuen
betrieblichen Anforderungen zu Recht kommen und wie sie ihre berufliche
Situation verbessern können. Der waff bietet mit dem Beratungszentrum
für Beruf und Weiterbildung ein österreichweit einzigartiges
Unterstützungsangebot, wenn es um Antworten auf diese Fragen geht. Und
wie wichtig eine solche Unterstützung ist, zeigt die Zahl der KundInnen, die
entweder in die Beratung kamen oder eine Förderung in Anspruch nahmen:
Sie stieg seit 2008 um rund 20 Prozent, das sind 900 Personen mehr als vor
der Krise. Im gleichen Zeitraum steigen die eingesetzten Fördermittel um
1,7 Mio. Euro und um 41 Prozent.

Das Angebot des waff Beratungszentrums umfasst folgende Dienstleistungen
und Förderungen:

  • Umfassende telefonische und elektronische Weiterbildungsinformation. Das Weiterbildungs-Portal des waff - www.weiterbildung.at - ist dafür ein ideales Recherchetool mit Suchmöglichkeit nach mehr als 15.000 berufsbezogenen Kurs- angeboten. Das Portal wird monatlich von rund 6.000 BesucherInnen genutzt.
  • Kostenlose, persönliche und in Österreich einzigartige Beratung als Klärungshilfe und  umfassendes Coaching bei beruflichen Veränderungen. Das Service zeichnet sich durch die Verknüpfung von Beratung und finanzieller Förderung aus.
  • Förderungen bei beruflicher Weiterbildung. Der Bogen spannt sich hier von Förderungen für berufsbezogene Weiterbildung im Ausmaß von bis 1.100 Euro bis hin zu speziellen Programmen für berufstätige Frauen.

Budget für Frauenprogramme erhöht
Wegen der stetig steigenden Inanspruchnahme wurden schon im vergangenen Jahr die Fördermittel für die spezifischen Frauenprogramme des waff aufgestockt. Heuer stehen acht Mio. Euro für die Unterstützung von Frauen im Berufsleben bereit. Das ist gegenüber 2010 ein Anstieg um 1,4 Mio. Euro.

Ein wichtiger Baustein ist das Programm für WiedereinsteigerInnen und BerufseinsteigerInnen nach Betreuungspflichten. Der waff unterstützt bei der Planung des Aus- und Wiedereinstiegs, fördert bei Weiterbildung in der Karenz und hilft bei der aktiven Arbeitsuche. Berufstätige Frauen, die sich eine neue berufliche Perspektive aufbauen wollen oder müssen, erhalten ebenfalls kompetente Beratung, wie sie ihre Berufsziele erreichen können und je nach Bedarf Weiterbildungsförderungen bis max. 3.700 Euro.

III.    Qualifizierungsoffensive im Gesundheitsbereich

Mit einem speziellen Förder- und Ausbildungsinstrument unterstützt der waff gemeinsam mit dem AMS sowohl Wiener ArbeitnehmerInnen, die im Gesundheits- und Pflegeberuf Fuß fassen wollen als auch Wiener Pflegeeinrichtungen bei der Suche nach passenden MitarbeiterInnen. Heuer werden rund 1.000 arbeitsuchende WienerInnen im Gesundheits- und Pflegebereich in den Berufen HeimhelferIn, PflegehelferIn, diplomierte KrankenpflegerIn, NachmittagsbetreuerIn an Wiener Schulen und Horten sowie FachsozialbetreuerIn qualifiziert und auf einen offenen Arbeitsplatz vermittelt.

Das Besondere am Programm ist, dass die TeilnehmerInnen bereits vor Ausbildungsbeginn eine fixe Einstellzusage bekommen. Die künftigen MitarbeiterInnen wissen also bereits zu Ausbildungsbeginn, wo sie später arbeiten werden. Durch dieses einzigartige Angebot wird die Ausbildung von qualifiziertem Personal in Wien gesichert. Insgesamt konnten so bereits rund 2.300 Personen ausgebildet werden.

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