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Die Wiener Ausbildungsgarantie

Ein Meilenstein in der Arbeitsmarktpolitik der Stadt Wien

 

1. Was ist die Wiener Ausbildungsgarantie?


Mit der Wiener Ausbildungsgarantie gibt es nun ein lückenloses Angebot für Jugendliche am Wiener Arbeitsmarkt. Die Wiener Ausbildungsgarantie bedeutet: Wenn Jugendliche eine Ausbildung machen wollen, bekommen sie entweder einen Lehrplatz, eine Qualifizierung oder ein unterstützendes Beratungs- und Begleitungsangebot, wenn sie nicht wissen, wie es weitergehen soll. „Wir können mit Stolz sagen: Die Stadt Wien kümmert sich um alle Jugendlichen! Alle, die eine Ausbildung machen wollen, bekommen von uns dafür ein entsprechendes Angebot. Wir helfen aber auch jenen Jugendlichen, die noch nicht genau wissen, wie es weiter gehen soll“, freut sich Vizebürgermeisterin Renate Brauner.

Damit ergänzt und erweitert die Wiener Ausbildungsgarantie die Leistungen des Bundes. „Das Angebot für Jugendliche ist in Wien besonders engmaschig geknüpft“, erläutert Renate Brauner, „vor allem jenen Jugendlichen, für die es schwierig ist, nach der Schule ins Berufsleben einzusteigen, können wir ein einzigartiges Angebot machen. Wir begleiten sie am Übergang von der Schule in den Beruf und verhindern somit, dass sie ohne Ausbildung oder Job bleiben.“

Folgendes Service umfasst die Wiener Ausbildungsgarantie:

  • Alle Jugendlichen, die eine Lehrausbildung machen wollen, erhalten einen Ausbildungsplatz entweder in einem Betrieb oder einer Lehrwerkstätte.
  • Es wird zielgerichtete Beratung und Unterstützung für den nächsten Schritt Richtung Ausbildung und Berufsleben angeboten.
  • Es gibt Jugendliche, für die es schwierig ist, nach der Schule ins Berufsleben einzusteigen. Ein Teil von ihnen benötigt weitere Unter-stützung. Diese Jugendlichen werden dort abgeholt, wo sie gerade stehen. Sie können in verschiedene Berufe und Tätigkeiten schnuppern und sich an die Anforderungen eines Berufs herantasten.


Neue KÜMMER-NUMMER als leicht zugängliches Infoangebot

Um die Angebote der Wiener Ausbildungsgarantie den Jugendlichen und ihren Eltern/Verwandten möglichst einfach zugänglich zu machen, wurde auf Initiative von Vizebürgermeisterin Renate Brauner die Kümmer-Nummer Tel. 0800 20 20 22 eingerichtet. Hier gibt es Informationen zu Fragen rund um Lehre und Beruf. Das Team der Kümmer-Nummer hilft weiter, wenn sich Jugendliche nach der Schule für eine Lehre entschließen, aber keine Lehr-stelle finden. Ebenso gibt es für jene Unterstützung, die die Schule abge-brochen haben bzw. für Jugendliche, die nicht wissen, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Damit stellen wir ein einfach zugängliches Informations-angebot zur Verfügung, mit dem wir sowohl betroffene Jugendliche als auch ihre Eltern unterstützen. Denn es herrscht oft enorme Unsicherheit vor, wenn Jugendliche die Schule abbrechen oder nach Ende der Schulpflicht orientierungslos sind. Mit der Kümmer-Nummer haben wir ein Service, das Jugendliche und ihre Eltern dabei unterstützt, Lösungswege zu organisieren. Die Kümmer-Nummer weiß weiter, wenn es um Fragen rund um Ausbildung, Lehre und Beruf geht!“, betont Vizebürgermeisterin Brauner.

Die Kümmer-Nummer ist Montag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr erreichbar. Begleitend gibt es die Webplattform www.kümmer-nummer.at bzw. besteht die Möglichkeit, mit dem Kümmer-Nummer-Team per SMS oder über soziale Netzwerke wie Facebook oder Netlog Kontakt aufzunehmen. Die Beratung an der Kümmer-Nummer erfolgt anonym und kostenlos.

2. Die fünf Säulen der Wiener Ausbildungsgarantie


Die Wiener Ausbildungsgarantie ergänzt die Ausbildungsgarantie des Bundes, die Jugendlichen innerhalb von drei Monaten ein Angebot für einen Ausbildungsplatz, eine Schulung oder einen Arbeitsplatz machen kann. Die Wiener Ausbildungsgarantie ruht auf fünf Säulen:

  1. Schule
  2. Lehre
  3. Lehrwerkstätten (überbetriebliche Lehrausbildung)
  4. Übergang Schule-Beruf
  5. Nachholen von Bildungsabschlüssen

Neben den Säulen Schule und Lehre umfasst die Wiener Ausbildungsgarantie die vom AMS und der Stadt Wien finanzierten Lehrwerkstätten, spezifische Begleitmaßnahmen am Übergang von der Schule zum Beruf sowie Förderun-gen, wenn junge WienerInnen versäumte Bildungsabschlüsse nachholen möchten.

Eine Wiener Besonderheit sind die spezielle Betreuung am Übergang Schule-Beruf sowie die umfangreichen Möglichkeiten, Bildungsabschlüsse nachzu-holen. „Es ist unser Ziel, möglichst vielen Jugendlichen in Wien eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung mitzugeben“, erzählt Vizebürger-meisterin Brauner, „denn es gilt noch immer die Faustregel: Wer besser qualifiziert ist, wird seltener arbeitslos. Jugendliche brauchen Perspektiven, und die können wir ihnen bieten!“

Insgesamt werden von der Stadt Wien und dem AMS Wien mehr als 100 Millionen Euro für die Umsetzung der Wiener Ausbildungsgarantie eingesetzt.
Mit mehr als 84,5 Millionen Euro nimmt die Förderung der Lehre in den Lehrwerkstätten den Löwenanteil ein. Die Maßnahmen am Übergang Schule-Beruf werden mit rund elf Millionen Euro unterstützt und verschiedene Maßnahmen zum Nachholen von Bildungsabschlüssen werden mit 4,5 Mio. Euro finanziert.

Wie viele Jugendliche können davon profitieren?

In Wien beenden jährlich rund 16.000 Jugendliche ihre Schulpflicht. Ein Großteil davon – nämlich rund 60 Prozent – setzt die schulische Ausbildung fort. Rund 30 Prozent streben eine Lehrausbildung an. All jene, die keine betriebliche Lehrstelle finden, erhalten das Angebot eines Ausbildungsplatzes in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte. Diese werden vom AMS Wien und der Stadt Wien finanziert. Geschätzte zehn Prozent bewältigen den Übergang von der Pflichtschule in eine weiterführende Ausbildung nicht nahtlos und erhalten über die Wiener Ausbildungsgarantie entsprechende Unterstützung.

Die Wiener Ausbildungsgarantie umfasst die Zusammenarbeit aller wichtigen VerantwortungsträgerInnen: Schule und Betriebe gehören ebenso dazu wie das AMS, der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff), die Ju-gendarbeit, das Bundessozialamt und der Fonds Soziales Wien. Durch koor-dinierte und vernetzte Vorgehensweise werden über die Wiener Ausbildungs-garantie auch jene ausgrenzungsgefährdeten Jugendlichen erreicht, die für herkömmliche Bildungsangebote bisher nur schwer zu motivieren waren.

3. Die tragenden Säulen der Wiener Ausbildungsgarantie

  • Lehrausbildung – starke Unterstützung durch die Stadt Wien


Im Jahr 2009 haben in Wien 6.400 junge WienerInnen ihre Lehre begonnen. Das ist eine Zunahme von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg ergibt sich aus einem leichten Rückgang der Lehrausbildung in den Betrieben, der aber durch die Erhöhung der verfügbaren Plätze in den Lehrwerkstätten mehr als aufgefangen wurde.

Für Betriebe, die sich in der Lehrausbildung engagieren, gibt es zahlreiche Förderungen und Unterstützungsangebote: So finanziert der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) die bei der Wirtschaftskammer Wien angesiedelten LehrstellenberaterInnen. Diese haben die Aufgabe, ausbildungsbereite Betriebe zu Fragen rund um die Lehrausbildung zu beraten und Lehrstellen aufzuschließen. Eine besondere Schwerpunktsetzung liegt im Bereich der ethnischen Ökonomien. 2009 wurden von den LehrstellenberaterInnen fast 2.200 offene Lehrstellen gemeldet und rund 250 Lehrstellen in den ethnischen Ökonomien aufgeschlossen. Darüber hinaus fördert der waff die Aus- und Weiterbildung von LehrausbilderInnen. 2009 hat der waff fast 360 LehrausbilderInnen in 172 Unternehmen gefördert.

Vom Engagement Wiens in der Lehrausbildung profitieren auch Lehrlinge aus anderen Bundesländern. So haben mehr als 20 Prozent der Wiener Lehrlinge ihren Hauptwohnsitz nicht in Wien, sondern stammen z.B. aus Nieder-österreich oder dem Burgenland.

  • Lehrwerkstätten – 4.500 Lehrplätze für Wiener Jugendliche


Die Stadt Wien bietet gemeinsam mit dem AMS jungen WienerInnen mehr als 4.500 Lehrstellen in den Lehrwerkstätten. Dort können Jugendliche, die praxisnah lernen wollen und die keine Lehrstellen in Betrieben finden, ihre gesamte Lehre absolvieren. Bei der Lehre in einer Lehrwerkstätte handelt es sich um eine vollwertige Lehrausbildung. Die Jugendlichen werden also nicht in einem Unternehmen ausgebildet, sondern erhalten gemeinsam mit anderen Jugendlichen ihre praktische Ausbildung in einer von Trägern wie Jugend am Werk oder dem bfi Wien geführten Einrichtung. Parallel dazu besuchen sie regulär die Berufsschule. Um den Kontakt zur Praxis zu halten, absolvieren sie Praktika in Wiener Betrieben. Die künftigen Lehrlinge können derzeit aus mehr als 30 Berufen wählen. Während der Ausbildung erhalten die Jugendlichen vielfältige Unterstützung: LehrausbilderInnen kümmern sich ebenso um sie wie SozialpädagogInnen oder LehrerInnen.

Die Bemühungen der Stadt Wien und des AMS bei der Förderung der Lehrausbildung in Wien machen sich bezahlt: Die Ausweitung der verfügbaren Plätze in den Lehrwerkstätten von 3.500 auf 4.500 Plätze hat wesentlich dazu beigetragen, die krisenbedingte Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit zu stoppen. So wurde der Zuwachs der Jugendarbeitslosigkeit ab Juli 2009 stark gedämpft und ist mittlerweile nicht höher als der Zuwachs in der Gesamtbe-völkerung. Wien hat hier im Bundesländervergleich die Spitzenposition: Derzeit liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen mit 3,9 Prozent deutlich unter dem allgemeinen Anstieg mit 4,8 Prozent.

  • NEU: Begleitung am Übergang Schule-Beruf


Nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten startete mit Jahresbeginn ein Monitoring, das die Wege ausgrenzungsgefährdeter Jugendlicher von der Schule ins Beschäftigungssystem aufzeigt und begleitet.

Der Schlüssel für die Begleitung Jugendlicher beim Übergang Schule-Beruf ist die gute Vernetzung der beteiligten und teilweise neu geschaffenen Einrich-tungen. Eine besondere Bedeutung kommt der Schule, der außerschulischen Jugendarbeit und den arbeitsmarktpolitischen Einrichtungen zu. „Mit der Wiener Ausbildungsgarantie holen wir die jungen Leute dort ab, wo sie sind: In der Schule wird dann interveniert, wenn ein möglicher Schulabbruch absehbar wird. Dann wird ihnen durchgängige Begleitung angeboten, bis sie in einer Ausbildung oder einem Job Fuß gefasst haben.“ Eine zentrale Rolle spielt dabei die neu geschaffene Beratungs- und Betreuungseinrichtung C´mon 14, welche die Jugendlichen ohne konkrete Ausbildungsperspektive noch in der Schule erreicht und ihnen umfassende Betreuung und Begleitung anbietet.

Darüber hinaus gibt es für Jugendliche, die Schwierigkeiten mit geregelter Ausbildung oder Lehre haben, die Möglichkeit, im Rahmen niederschwelliger Beschäftigungsprojekte wie z.B. space!lab handwerkliche Arbeit auszu-probieren und sich so Schritt für Schritt an höhere Verbindlichkeit und Belastung heranzutasten. Damit soll einerseits das Interesse der Jugendlichen geweckt und andererseits die Möglichkeit gegeben werden, Fähigkeiten zu erproben und in mögliche Ausbildungswege zu schnuppern. Ziel ist, Jugend-liche damit an geregelte und bezahlte Beschäftigung bzw. weiterführende Ausbildungen heranzuführen.

Schlüsselfunktionen nehmen in dieser Übergangsbegleitung auch die neuen Angebote des AMS für junge WienerInnen, die in AMS-Betreuung sind, ein. Dazu gehören die Beratungs- und Betreuungseinrichtung C´mon 17 sowie die Jugendwerkstatt. Zusätzlich steht ein engmaschiges Netz an bereits etablierten spezifischen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen zur Verfügung, wie z.B. Sprungbrett, WUK Monopoli, abz*get ready oder das waff-Angebot Amandas Matz.

Zur Verbesserung der Koordination und Zusammenarbeit aller verantwort-lichen Einrichtungen wurde eine eigene Koordinationsstelle geschaffen.

  • Eine zweite Chance: Das Nachholen von Bildungsabschlüssen


Das Risiko, arbeitslos zu werden, hängt noch immer stark vom Bildungsgrad einer Person ab: Wer lediglich eine Pflichtschulausbildung abgeschlossen hat, wird leichter arbeitslos als Höherqualifizierte. Mehr als die Hälfte der arbeitslosen WienerInnen haben maximal die Pflichtschule, etwa ein Viertel hat eine Lehre abgeschlossen.

Deshalb bietet die Stadt Wien Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam mit dem AMS im Rahmen der Wiener Ausbildungsgarantie die Möglichkeit, versäumte Bildungsabschlüsse nachzuholen. Das umfasst Angebote zum Nachholen des Hauptschulabschlusses ebenso wie die Unterstützung „älterer“ Jugendlicher bei beruflicher Höherqualifizierung. Besonders wichtig ist z.B. das Nachholen von Lehrabschlüssen. So fördert der waff das Nachholen des Lehrabschlusses mit bis zu 2.000 Euro. Damit sollen Jugendliche und junge Erwachsene durch Qualifizierungen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden.

Ausblick

„Mit der Wiener Ausbildungsgarantie sind nun die Übergänge zwischen Schule und Beruf gut verzahnt und koordiniert“, betont Vizebürgermeisterin Renate Brauner, „wir erreichen damit auch ausgrenzungsgefährdete Jugendliche und bieten ihnen berufliche Perspektiven!“ Die mit Arbeitslosigkeit verbundene Frustration und Perspektivenlosigkeit wird durch konkrete Ausbildungsange-bote verhindert und die Chancengleichheit für die jungen WienerInnen erhöht. „Mit der Wiener Ausbildungsgarantie und der Kümmer-Nummer macht die Stadt Wien klar: Wir lassen Jugendliche in wichtigen und oft schwierigen Lebensphasen nicht allein, sondern kümmern uns um sie!“


Rückfragehinweis:

Mag. Wolfgang Hassler
Mediensprecher Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner
Tel. 01-4000-81 845
E-Mail: wolfgang.hassler(at)wien.gv.at

Mag. Klaus Kienesberger
Mediensprecher Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff)
Tel. 01-217 48-318
E-Mail: klaus.kienesberger(at)waff.at

 

 

 

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